Testbericht e-Golf im Alltagsbetrieb

Mittlerweile ist die Elektromobilität in aller Munde und so konnte ich nicht drum herum, solch einen "Stromer" zu testen. Freundlicherweise stellte mir das VW Autohaus Schlögl in Emertsham und Traunreut einen VW e-Golf für 3 Tage aus dem Baujahr 2015 zur Verfügung.

24,2 KWh (35,8 KWh*) besitzt nun mein getesteter e-Golf, der über den Zeitraum von 02/2014 bis 02/2017 (ab 03/2017*) gebaut wurde. Die Leistung wird mit 115 PS (136 PS*) und der Energieverbrauch mit 12,7 KWh/100 Km angegeben. Das max. Drehmoment beträgt 270 Nm (290 Nm*) das mittels 1 Gang Getriebe in jeder Lage dieses Drehmoment auf die Straße bringt.

*Angaben in Klammern Fahrzeug ab 02/2017 Facelift (Quelle Wikipedia)
  • Akkuinhalt 24,2 KWh (35,8 KWH*)
  • Leistung 85 KW/115 PS (100 KW/136 PS*)
  • Drehmoment 270 Nm (290 Nm*)
  • Höchstgeschwindigkeit 140 Km/h (150 Km/h*)
  • Beschleunigung 0-100 Km/h 10,4 s (9,6 s*)
Mit der Werksangabe von 12,7 KWh/100 Km, sowie den 24,2 KWh (35,8 KWh*) Akkuinhalt schafft der Golf eine Reichweite von knapp 190 km (300 km*). Das hört sich eigentlich verdammt wenig an, würde aber für die meisten Fahrten z.B. zur Arbeitsstätte, zum Einkaufen usw. schon reichen.

Energie- und Testverbräuche
Mich interessiert aber der tatsächliche Testverbrauch, hierzu noch ein paar Hintergrunddaten bezüglich der Energieinhalte.
  • 1 Liter Benzin entspricht 8,77 KWh
  • 1 Liter Diesel entspricht  9,86 KWh
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 12,7 KWh (e-Golf Verbrauch lt. Hersteller) ungefähr 1,45 Liter Benzin und 1,29 Liter Diesel entsprechen. Der Elektromotor besitzt einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als ein Verbrennungsmotor.

Um die Effizienz noch einmal kurz zu verdeutlichen:
  • Verbrauch Golf Benziner 6-7,5 Liter/100 km - 50-70 KWh/100 km
  • Verbrauch e-Golf 13-20 KWh/100 km
Tatsächliche Verbräuche
Da ich das Fahrzeug im Juni testen konnte, fehlen hier die Daten in der kalten Jahreszeit. Jedoch konnte mir ein e-Golf Besitzer mitteilen, dass dann schon mal 20 KWh auf der Verbrauchsanzeige stehen können. Immerhin ein Energieinhalt von 2,3 Liter Benzin und 2 Liter Diesel.

Beim Fahren ohne Klimaanlage und nicht allzu forscher Fahrweise zeigte mein Bordcomputer im Durchschnitt 13,5 KWh an, mit Klimaanlage 16,5 KWh was die Reichweite auf knapp über 140 km reduziert.
  • Winterbetrieb bis zu 20 KWh - Reichweite 120 km (179 Km*)
    Leistung Hochvoltheizung 5,5 KW
  • Sommerbetrieb 13, 5 KWh - Reichweite 175 km (260 Km*)
  • Mit Klimaanlage 16,5 KWh - Reichweite 140 km (190 Km*)
*Angaben in Klammern Fahrzeug ab 02/2017

Das Fahrgefühl ist einzigartig, ohne ruckeln geht es vorwärts und im Fahrzeuginnern hört man eigentlich nur das Abrollgeräusch der Reifen. Damit das Fahrzeug bei langsamer Fahrt in der Stadt wahrgenommen wird, gibt es noch ein Soundmodul, das einen Benziner imitiert. Dieses war jedoch in meinem Testfahrzeug nicht verbaut. Ich denke, das Soundmodul ist auch nicht notwendig, ein Radfahrer fährt ja auch geräuschlos.

Die für den e-Golf höherwertige Ausstattung lässt keine Wünsche offen, das Fahrwerk ist straff bis komfortabel und durch den niedrigen Schwerpunkt der Akkus ist der Golf trotz des höheren Gewichts flott durch die Kurven zu bewegen.

Die zuschaltbare Rekuperation war anfänglich noch etwas gewöhnungsbedürftig, da bei der Gaswegnahme (was für ein Wort für ein e-Auto) das Fahrzeug stark abbremst (wie eine starke Motorbremse). Wenn man den Bogen aber raus hat, fährt man "bremsenschonend" und auf der Reichweitenanzeige stehen gleich ein paar Kilometer mehr auf der Uhr.

Das Aufladen
Das mitgelieferte Ladekabel habe ich über Nacht an eine 230 V (Ladestrom ca. 2,3 KW) Steckdose angestopselt. Das dauert zwar länger und nach 6 Stunden waren ca. 100 KM Reichweite nachgeladen. Wesentlich schneller ginge es natürlich mit einer Wallbox bzw. den Anschluss an der sog. Kraftstromsteckdose.

Eine öffentliche Ladestation habe ich nicht ausprobiert, die Ladestruktur wird sich jedoch in den nächsten Jahren sicherlich verbessern.

Die Umweltverträglichkeit
Mit der Frage wurde ich immer wieder konfrontiert: 
  • "Woher soll denn der viele Strom für die Elektromobilität kommen, aus dem Kohlekraftwerk oder dem Atomkraftwerk?
Dazu habe ich einen interessanten Beitrag im Forum bei Heise gelesen (Angaben ohne Gewähr Forumsbeitrag hier lesen).
Demnach soll für die Herstellung eines Liter Benzins oder Diesel ca. 1,6 KWh Energie benötigt werden. 
  • Das bedeutet, dass bei einem Benziner mit 7 Liter auf 100 Kilometer 11,2 KWh/100 Km (7 l/100 Km x 1,6 KWh/l) Energie für die Herstellung, bzw. bei einem Diesel mit 6 Liter Verbrauch 9,6 KWh/100 Km benötigt wird.
Mit diesen 11,2 KWh benötigter Energie zur Herstellung von Benzin wären schon 55-80 km mit dem Elektrofahrzeug drin.

Zur Umweltbilanz zählen natürlich noch jede Menge andere Faktoren wie z.B. der Siliziumabbau für Akkus, Verluste bei der Stromherstellung, Leitungsverluste, Trafoverluste, Ladeverluste. Rohöl muss aber auch irgendwie gefördert und mit Tankschiffen transportiert werden. Zur Tankstelle muß das in der Raffinerie ebenfalls energieaufwendig hergestellte Benzin oder Diesel noch mit Tanklaster befördert werden. Elektrofahrzeuge besitzen weniger Bauteile, was mit weniger Rohstoff- und Energieaufwand verbunden ist usw. usw....

Unschlagbar ist natürlich das emissionsfreie Fahren vor Ort, was im Hinblick auf Feinstaub usw. unsere Städte erheblich entlasten würden.

In einem Bericht konnte ich lesen, dass für die Herstellung eines Benzinmotors 6 Arbeiter benötigt werden, für den Elektromotor nur Einer. - Da sollten wir wohl unbedingt unsere Akkus selbst herstellen um dies zu kompensieren! Vielleicht sollte dann auch darüber nachgedacht werden, die Ladeenergie überwiegend mit Sonnenergie (z.B. Photovoltaik) bereitzustellen, was uns auch unabhängiger vom Erdöl machen würde.

Die Ladestruktur aufzubauen ist ebenfalls mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Ein 230 V Anschluss mit ca. 2,3 KW, oder eine Wallbox mit 11 KW wird meist nur für das eigene Heim verwendet. Für eine öffentliche Schnellladesäule können schon mal über 50 KW benötigt werden, also ein richtig dickes Kabel.

Irgendwann steht auch die Entsorgung der Akkus an, wobei mittlerweile diese nach einem Autoleben (noch mind. 70% Kapazität) anderweitig als Energiespeicher genutzt werden können. Dem entgegen steht aber auch die Entsorgung von Altöl aus dem "Verbrennungsmotoren".


Beachte! Den Strom für mein Elektrofahrzeug könnte ich teilweise zum z.B. aus einer Photovoltaikanlage auf dem Dach selbst herstellen. 


Fazit:
Diese drei Tage haben richtig Spaß gemacht, fast lautlos und mit ordentlich Drehmoment aus den Kurven heraus zu beschleunigen. Da ich das Fahrzeug immer zuhause laden konnte und täglich keine großen Strecken zu bewältigen sind, ist dieses Fahrzeug sicherlich ein Alternative.
Einzig der momentan noch hohe Preis. Beim neueren Modell sind mit einem Grundpreis (bereits gut ausgestattet) von 35.900 Euro und ein wenig Schnickschnack sowie einer anderen Farbe schon mal 40.000 Euro drin.

Ich denke, ein wenig werde ich noch warten, bis sich die Preise der Elektrofahrzeuge an den "Verbrennern" angepasst haben. Beim Golf macht sich das momentan nach Bereinigung der Ausstattung mit Mehrkosten von ca. 10.000 Euro bemerkbar, wobei da ja noch die 4000 Euro Zuschuss abgezogen werden muß. Bleiben aber immer noch 6000 Euro zuviel, die durch die Einsparung beim "Tanken" oder der Steuer nicht mehr hereingeholt werden können.

VW bietet aber zum Kauf des e-Golf noch einen ganz bestimmten Service an. Für weitere Strecken z.B. in den Urlaub bietet Volkswagen in den ersten zwei Jahren bis zu 30 Tage und 4000 Kilometer einen kostenlosen Mietwagen aus dem aktuellen Modell-Portfolio an.